Homepage of “Video Portal University of Bern (Tobira)”Homepage of “Video Portal University of Bern (Tobira)”

Von der «sowjetischen» zur «vaterländischen» Musik: Russischer Nationalismus und klassische Musik in der späten Sowjetunion, 1974–1994

October 13, 2022
  • Dr. Boris Belge

Komponist:innen in der Sowjetunion verstanden sich selbst als europäische, transnationale Kunstschaffende. Die sowjetische Kulturpolitik förderte im Rahmen des Dogmas von der «Freundschaft der Völker» den übernationalen Charakter von Musik. In den späten 1970er Jahren kam es jedoch zu einer «Explosion des Ethnischen», die auch im Zentrum der Sowjetunion zu einem engstirnigen Russozentrismus führte. Die Komponistin Sofia Gubaidulina und der Komponist Alfred Schnittke mussten mit diesem Paradigmenwechsel umgehen – gerade als sie selbst damit begonnen hatten, ihre Biografien mit Reisen nach Westeuropa und in die USA zu globalisieren. Am Beispiel der spätsowjetischen Musikgeschichte zeigt der Vortrag die Funktionsweise des sowjetischen Kulturlebens, seine Grenzen und Möglichkeiten in einer sich globalisierenden und gleichzeitig nationalisierenden Gesellschaft sozialistischen Typs auf.

Eine Veranstaltung der Schweizerischen Osteuropabibliothek SOB im Rahmen der Reihe "Von Gleichklang bis Disharmonie: Musik und Nation in Osteuropa“, Herbstsemester 2022.

  • Dr. Boris Belge

Komponist:innen in der Sowjetunion verstanden sich selbst als europäische, transnationale Kunstschaffende. Die sowjetische Kulturpolitik förderte im Rahmen des Dogmas von der «Freundschaft der Völker» den übernationalen Charakter von Musik. In den späten 1970er Jahren kam es jedoch zu einer «Explosion des Ethnischen», die auch im Zentrum der Sowjetunion zu einem engstirnigen Russozentrismus führte. Die Komponistin Sofia Gubaidulina und der Komponist Alfred Schnittke mussten mit diesem Paradigmenwechsel umgehen – gerade als sie selbst damit begonnen hatten, ihre Biografien mit Reisen nach Westeuropa und in die USA zu globalisieren. Am Beispiel der spätsowjetischen Musikgeschichte zeigt der Vortrag die Funktionsweise des sowjetischen Kulturlebens, seine Grenzen und Möglichkeiten in einer sich globalisierenden und gleichzeitig nationalisierenden Gesellschaft sozialistischen Typs auf.

Eine Veranstaltung der Schweizerischen Osteuropabibliothek SOB im Rahmen der Reihe "Von Gleichklang bis Disharmonie: Musik und Nation in Osteuropa“, Herbstsemester 2022.

More from “Von Gleichklang bis Disharmonie: Musik und Nation in Osteuropa (Osteuropa-Reihe HS 2022)”

Failed to load thumbnail
45:13

Anarhija all over Baščaršija! Die Sarajevoer Rockszene der 1980er zwischen lokaler, nationaler und internationaler Selbstverortung

Jan Dutoit
Failed to load thumbnail
1:11:52

Die Sowjetunion ist tot – lang lebe Estrada! Sonic statecrafting in Usbekistan

Dr. Kerstin Klenke
Failed to load thumbnail
1:26:51

Liederfeste als singende Revolutionen? Chormusik und Nation-building im Baltikum am Beispiel Estlands

Prof. Dr. Karsten Brüggemann
Failed to load thumbnail
1:18:57

Gender, Geopolitics and Nationhood in the Eurovision Song Contest

Dr. Catherine Baker
Failed to load thumbnail
1:49:34

Von der «sowjetischen» zur «vaterländischen» Musik: Russischer Nationalismus und klassische Musik in der späten Sowjetunion, 1974–1994

Dr. Boris Belge
Failed to load thumbnail
1:23:50

Musical Theater and National Politics in Kyiv in the Nineteenth Century

Prof. Dr. Ostap Sereda